Sie sind hier: Home > Start > 550 Jahre Bärentradition auf Schloss Hartenfels
Spielen gehört zum Alltag im Bärengehege.
Foto: Franziska Kremtz
Begonnen hat die inzwischen über 550-jährige Tradition im Jahr 1425, als der erste Bärenfang durch Herzog Friedrich, der Streitbare, am Schloss erwähnt wurde. Friedrich, der Sanftmütige, legte dann im Jahr 1452 den ersten Bärengraben an, der 30 Jahre später vergrößert wurde.1508 wird in einer Niederschrift von Friedrich dem Weisen von einer elfköpfigen Bärenmeute berichtet. Im Zuge des Ausbaus der Torgauer Burg um 1538 bis 1542 zum Residenzschloss Hartenfels durch Kurfürst Johann Friedrich, der Großmütige, wurde der Graben erneut vergrößert. Zwanzig Jahre später wurde Kurfürst August von dessen Jäger gerettet und ließ ihm zum Dank die Bärensäule bei Weidenhain errichten. 1624 schaffte Kurfürst Johann Georg I. die heutige Form des Bärengrabens: Über 30 Bären wurden untergebracht. 1759 sorgte die preußische Armee des Prinzen Heinrich in ihrer Heeresverpflegungsorder finanziell für die Fütterung der "wilden Tiere". Die Schlacht bei Torgau im 18. Jahrhundert unterbrach dann aber vorerst diese Tradition. Im Bärengraben gab es vorerst keine Tiere mehr, an Stelle derer wurde die Soldatenkleidung nach dem Waschen getrocknet. Anschließend interessieren sich mehrere Nachnutzer des Schlosses leider nicht mehr für die Erhaltung und Wiederbesetzung des Bärengrabens. In den 50erJahren wollte die Torgauer Bevölkerung ihre Bärentradition wiederbeleben. Der damalige Museumsleiter, Lehrer Markus, richtete eine Bitte an den Zoologischen Garten Leipzig und bat um Bären für Torgau. So wurde der Bärengraben in etwa 5000 freiwilligen Arbeitsstunden aufgebaut und 1953 zog mit vier ausgewachsenen Bären wieder Leben ein. Nur drei Jahre später begann die Zucht der Raubtiere. Die in Torgau geborenen Jungtiere wurden im linken Teil des Grabens untergebracht. 1965 waren aus dem ersten Stammbesatz 58 Nachkommen geborenden, die überwiegend an Zirkusse abgegeben wurden. Bis 1993 kümmerten sich Frau Siegert und danach Frau Stölz um die Bären. Mit Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack erfolgte ein Wechsel bei den Bärenpflegern, auch liebevoll Bärenmütter genannt.
Bärin Quistel holt sich ihr Futter auch gern aus dem Wasser.
Foto: Franziska Kremtz
Durch das hohe Alter der Bären, schrumpfte der Bestand in den vergangenen Jahren. Heute leben nur Jette und Quistel im Bärengraben. Mit der Sanierung des E-Flügels im Schloss Hartenfels und der damit verbundenen Erneuereung des Bärengrabens, könnte sich das aber zukünftig ändern. Bürger, Landratsamt Nordsachsen, Stadt Torgau, Vereine und Firmen ziehen an einem Strang, um dieses Vorhaben in die Realität umzusetzen. Vorstellungen, was anschließend alles möglich wäre, haben auch die beiden Bärenpflegerinnen. "Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn dann auch wieder Jungbären hier in Torgau ein Zuhause finden würden", so Angela Mierau-Fausack. Ab 2010 ist, unabhängig davon, ein Bärenfest auf dem Schlosshof geplant. Dieses soll dann regelmäßig veranstaltet werden. Damit die Gäste dann auch ein kleines und vor allem "echtes" Andenken erwerben können, sammeln die Pflegerinnen fleißig Bärenfell, was die Tiere verlieren.
Die "lachende" Bärin Jette im Innengehege.
Foto: Franziska Kremtz
"Somit kann jeder die Bären anfassen", sagt Gabriele Mierau mit einem Schmunzeln im Gesicht. Auch wollen sie von den Bären, bei einer passenden Gelegenheit, einen Fußabdruck im Bärengraben nehmen, der dann in Gips gegossen werden soll. Der Erlös aus dem Verkauf von Fell und Bärentatzen wird dann natürlich wieder den Bären zu Gute kommen. Torgau und seine Bären gehören einfach zusammen. Und die Menschen lieben ihre großen "Teddys". Dennoch bittet das Landratsamt Nordsachsen die Besucher darum, KEIN Futter in den Bärengraben zu werfen. Die Tiere werden ausgewogen von ihren Pflegerinnen versorgt. "Auch wenn Quistel mal wieder im Sitzen den Besuchern herzzerreißend zuwinkt – fremdes Futter tut den Bären nicht gut. Wer helfen will, der kann spenden", betont Gabriele Mierau.
Kurzportrait über die Bärenpflegerinnen:
Die Bärenpflegerinnen Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack.
Foto: Franziska Kremtz
Angela Mierau-Fausack und Gabriele Mierau lieben Tiere, ob klein oder groß, schon seit ihrer Kindheit. Die Pflegerinnen sind seit über 15 Jahren im Landratsamt als Bärenmuttis tätig. Aber auch für die Pflege des Rosengartens, kleinere Hausmeistertätigkeiten und für den Bau von Bären-Spielzeug sind die Frauen zuständig. Gabriele Mierau (49) ist gelernte Gärtnerin und im Zweitberuf Hundetrainerin. Sie ist sozusagen eine Quereinsteigerin, was die Bärenpflege betrifft. Ihre Lebensgefährtin Angela Mierau-Fausack (54) ist Meisterin der Rinderzucht und hat sich qualifiziert. Beide haben sich selbst viel über die Haltung von Bären angelesen, haben Erfahrungen mit Kollegen ausgetauscht und an Fortbildungen teilgenommen. Die Pflegerinnen leben in Torgau in unmittelbarer Nähe zum Bärengraben, der für sie wie ein zweites Zuhause ist. So können sie Tag und Nacht schnell bei ihren "Babys", wie sie die Bären liebevoll nennen, sein.
Franziska Kremtz