Bären spielen mit Holzstamm Jette und Quistel im Freigehege - Spielen gehört zum AlltagFoto: Sie können mittels Webcam die Bären dabei beobachten, wie Sie in unseren Bärengräben zu Gange sind. Sie sind neugierig? Dann sind Sie mit dem Klick auf dieses Standbild nur noch ein kleines Stück von den Bären entfernt.

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Bärin Quistel mit Apfel im Wasser Bärin Quistel holte sich ihr Futter auch gern aus dem Wasser. Sie verstarb 27-jährig im Jahr 2015Foto: vergrößern Weil Ende Mai 2015 die fast 30 Jahre alte Bärin Quistel verstarb, war ihre Schwester und langjährige Torgauer Gefährtin Jette zunächst zur einzigen Bewohnerin der neuen Stallanlage im Flügel E von Schloss Hartenfels geworden.

Ein ungewollter Umstand, auf den die Verantwortlichen im Landratsamt Nordsachsen in Kooperation mit der „Stiftung für Bären“ rasch mit der Kontaktaufnahme zu einigen deutschen Wildtierparks reagierten.

Und bereits am 9. Juli 2015 trafen die beiden Jungbären Bea und Benno aus dem nordrhein-westfälischen Gehege in Gangelt bei Aachen in Torgau ein. Seit August 2015 stehen beide Bärengräben links und rechts der Schlossbrücke saniert für Bea, Benno und Jette zur Verfügung und das Bärentrio ist zu einem Touristenmagneten für die Torgauer und ihre Gäste, aber vor allem die zahlreichen Kinder avanciert.

Ankunft der 2-jährigen Jungbären Bären Benno und Beavergrößern Begonnen hat die inzwischen fast 600 Jahre alte Tradition der Bären im Jahr 1425, als der erste auf Geheiß von Herzog Friedrich dem Streitbaren, angelegte Torgauer Bärenfang am Schloss erwähnt wurde. Friedrich, der Sanftmütige, ließ dann im Jahr 1452 den ersten Bärengraben um die damalige Torgauer Burg errichten. Dieser wurde 30 Jahre später vergrößert. Im Jahr 1508 schließlich steht in einer Niederschrift Friedrichs des Weisen von einer elfköpfigen Bärenmeute zu lesen.

Im Zuge des Ausbaus der Torgauer Burg um 1538 bis 1542 zum Residenzschloss Hartenfels durch Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen, erfolgte auch eine Vergrößerung des Grabens. Zwanzig Jahre später rettete ein Jäger den Kurfürsten August und dieser ließ seinem treuen Untertanen zum Dank die Bärensäule bei Weidenhain errichten.

Unter Kurfürst August hatte der Bärengraben 1559 mit 39 Bären den höchsten Besatz und erhielt 1624 seine jetzige Gestalt. Im 30-jährigen Krieg wurde der Bestand ebenso vollständig vernichtet wie später 1760 im Umfeld der Schlacht bei Torgau. Im Bärengraben gab es vorerst keine Tiere mehr, stattdessen trockneten dort die Soldaten nach dem Waschen ihre Kleidung. Anschließend interessieren sich mehrere Nachnutzer des Schlosses nicht wirklich für den Erhalt und die Verwendung des Bärengrabens.

Spielzeug - ein Muss für Jungbärenvergrößern Erst in den 50erJahren des vorigen Jahrhunderts starteten Initiativen zur Wiederbelebung der Bärentradition in Torgau. Der damalige Museumsleiter, Lehrer Markus, richtete eine Bitte an den Zoologischen Garten Leipzig und bat um Bären für Torgau. Der Bärengraben wurde in etwa 5000 freiwilligen Arbeitsstunden aufgebaut, und 1953 zog mit den vier Bären Kuno, Quistel, Moritz und Katja wieder Leben ein.

Nur drei Jahre später begann die Zucht der Raubtiere. Die in Torgau geborenen Jungtiere wurden im sogenannten Großen Bärengraben untergebracht. 1965 waren aus dem ersten Stammbesatz 58 Nachkommen geboren, die überwiegend an Zirkus-Unternehmen abgegeben wurden. Bis 1993 kümmerten sich Frau Siegert und danach Frau Stölz um die Bären. Seitdem sind Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack als Bärenpflegerinnen für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich.

In den letzten Jahren schrumpfte der Bestand der Bären stetig, bis nun im Jahr 2015 durch Bea und Benno wieder Zuwachs zu verzeichnen war. Mit der abgeschlossenen Sanierung des Flügels E des Schlosses Hartenfels, der damit verbundenen Erneuerung der beiden Bärengräben und des fertiggestellten Neubaus von modernen, artgerechten Bärenstellen im Keller des Flügels E sind für die Zukunft der Torgauer Bären wieder positive Weichen gestellt. Im Gegenzug wurden die alten Bärenställe an der Stadtmauer abgerissen.

Zahlreiche Bürger, das Landratsamt Nordsachsen, die Große Kreisstadt Torgau, Vereine und Firmen ziehen an einem Strang, um die Zukunft der Torgauer Bären abzusichern. Vielen Beteiligten ist Dank zu sagen, vor allem aber der Torgauer Bärenstiftung, die sich mit dem Einwerben zahlreicher Spenden um die Bären verdient macht.

Torgau und seine Bären-Maskottchen gehören einfach zusammen. Und die Menschen lieben ihre großen "Teddys". Dennoch bittet das Landratsamt Nordsachsen die Besucher darum, KEIN Futter in den Bärengraben zu werfen. Die Tiere werden ausgewogen von ihren Pflegerinnen versorgt. "Fremdes Futter tut den Bären nicht gut. Wer helfen will, der sollte spenden", betont Gabriele Mierau.

Kurzporträt der Bärenpflegerinnen

Die Bärenpflegerinnen Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack. Die Bärenpflegerinnen Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack.Foto: vergrößern Angela Mierau-Fausack und Gabriele Mierau lieben Tiere, ob klein oder groß, schon seit ihrer Kindheit. Die Pflegerinnen sind seit über 20 Jahren im Landratsamt im Dienste der Bären tätig. Aber auch für die Pflege des Rosengartens, kleinere Hausmeistertätigkeiten und für den Bau von Bären-Spielzeug sind sie zuständig. Gabriele Mierau ist gelernte Gärtnerin und im Zweitberuf Hundetrainerin. Sie ist sozusagen eine Quereinsteigerin, was die Bärenpflege betrifft. Ihre Partnerin Angela Mierau-Fausack ist Meisterin der Rinderzucht und hat sich qualifiziert. Beide haben sich selbst viel über die Haltung von Bären angelesen, Erfahrungen mit Kollegen ausgetauscht und an Fortbildungen teilgenommen. Die Pflegerinnen leben in Torgau nicht weit entfernt vom Arbeitsplatz. So können sie Tag und Nacht schnell bei ihren Bären sein.