Sie können mittels Webcam die Bären dabei beobachten, wie Sie in unseren Bärengräben zu Gange sind. Sie sind neugierig? Dann sind Sie mit dem Klick auf dieses Standbild nur noch ein kleines Stück von den Bären entfernt.

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Zu Beginn des Jahres 2021 waren die drei Bärenställe im Keller des Schlossflügels E von Hartenfels Torgau von den Geschwistern Bea und Benno sowie Altbärin Jette bewohnt. Bea und Benno waren im Sommer 2015 damals als Zweijährige nach Torgau gekommen, und haben sich seither unter der Obhut des Trios der Bärenpflegerinnen prächtig entwickelt. Die im Januar 1988 geborene Jette hat sich nach dem Tod ihrer langjährigen Gefährtin Quistel im Frühjahr 2015 mittlerweile längst mit den Youngstern arrangiert und ist trotz ihres für Braunbären bereits hohen Alters noch ziemlich mobil. Im März 2021 wurde der große von insgesamt zwei Bärengräben unterhalb der Schlossbrücke generalüberholt und für die drei Tiere als artgerechter Freilebensraum gestaltet.


Begonnen hat die inzwischen fast 600 Jahre alte Tradition der Bären im Jahr 1425, als der erste auf Geheiß von Herzog Friedrich dem Streitbaren, angelegte Torgauer Bärenfang am Schloss erwähnt wurde. Friedrich, der Sanftmütige, ließ dann im Jahr 1452 den ersten Bärengraben um die damalige Torgauer Burg errichten. Dieser wurde 30 Jahre später vergrößert. Im Jahr 1508 schließlich steht in einer Niederschrift Friedrichs des Weisen von einer elfköpfigen Bärenmeute zu lesen.
Im Zuge des Ausbaus der Torgauer Burg um 1538 bis 1542 zum Residenzschloss Hartenfels durch Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen, erfolgte auch eine Vergrößerung des Grabens. Zwanzig Jahre später rettete ein Jäger den Kurfürsten August und dieser ließ seinem treuen Untertanen zum Dank die Bärensäule bei Weidenhain errichten.
Unter Kurfürst August hatte der Bärengraben 1559 mit 39 Bären den höchsten Besatz und erhielt 1624 seine jetzige Gestalt. Im 30-jährigen Krieg wurde der Bestand ebenso vollständig vernichtet wie später 1760 im Umfeld der Schlacht bei Torgau. Im Bärengraben gab es vorerst keine Tiere mehr, stattdessen trockneten dort die Soldaten nach dem Waschen ihre Kleidung. Anschließend interessieren sich mehrere Nachnutzer des Schlosses nicht wirklich für den Erhalt und die Verwendung des Bärengrabens.


Erst in den 50erJahren des vorigen Jahrhunderts starteten Initiativen zur Wiederbelebung der Bärentradition in Torgau. Der damalige Museumsleiter, Lehrer Markus, richtete eine Bitte an den Zoologischen Garten Leipzig und bat um Bären für Torgau. Der Bärengraben wurde in etwa 5000 freiwilligen Arbeitsstunden aufgebaut, und 1953 zog mit den vier Bären Kuno, Quistel, Moritz und Katja wieder Leben ein.


Nur drei Jahre später begann die Zucht der Raubtiere. Die in Torgau geborenen Jungtiere wurden im sogenannten Großen Bärengraben untergebracht. 1965 waren aus dem ersten Stammbesatz 58 Nachkommen geboren, die überwiegend an Zirkus-Unternehmen abgegeben wurden. Bis 1993 kümmerten sich Frau Siegert und danach Frau Stölz um die Bären. Danach waren reichlich 25 Jahre lang Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack als Bärenpflegerinnen für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich.


In den letzten Jahrzehnten schrumpfte der Bestand der Bären stetig, bis im besagten Sommer 2015 durch Bea und Benno wieder Zuwachs zu verzeichnen war. Mit der abgeschlossenen Sanierung des Flügels E des Schlosses Hartenfels, der damit verbundenen Erneuerung der beiden Bärengräben und des fertiggestellten Neubaus von modernen, artgerechten Bärenstellen am Fuße dieses Schlossflügels sind für die Zukunft der Torgauer Bären wieder positive Weichen gestellt. Im Gegenzug wurden die alten Bärenställe an der Stadtmauer abgerissen.


Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, das Landratsamt Nordsachsen, die Große Kreisstadt Torgau, Vereine und Firmen ziehen an einem Strang, um die Zukunft der Torgauer Bären zu sichern und zu gestalten. Vielen Beteiligten ist Dank zu sagen, vor allem aber der Torgauer Bärenstiftung, die sich mit dem Einwerben zahlreicher Spenden um die Bären verdient macht.
Torgau und seine Bären-Maskottchen gehören einfach zusammen. Und die Menschen lieben ihre großen "Teddys". Vielen Eltern und Großeltern pilgern tagtäglich mit ihren Kinder und Enkelkindern zum Schloss, um sich an den verspielten und fast immer aktiven Bären zu erfreuen. Dennoch bittet das Landratsamt Nordsachsen die Besucher darum, KEIN Futter in den Bärengraben zu werfen. Die Tiere werden ausgewogen von ihren Pflegerinnen versorgt. "Fremdes Futter tut den Bären nicht gut. Wer helfen will, der sollte spenden", betont die leitende Tierpflegerin Heide Grieser.

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