Dauerausstellung Schloss Hartenfels

TORGAU – Ein Fürstenhof der Renaissance - Prunk und Alltag

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Der einstige Luxus mit dem Schloss Hartenfels ausgestattet war, lässt sich heute nur noch erahnen. Doch unter dem Titel „Torgau - Ein Fürstenhof der Renaissance" hilft eine Ausstellung der Fantasie auf die Sprünge. Sie zeigt den Prunk von damals und wie der Alltag der Kurfürsten aussah.

 

Vielleicht wollten Sie ja immer schon wissen, wie Friedrich der Weise und seine Nachfolger gewohnt haben. In der Ausstellung ist zu erfahren, wie komfortabel das Schloss eingerichtet war, dass Bequemlichkeit und Hygiene wichtig waren. Dafür war die Möblierung sparsam. Die einzelnen Stücke waren zwar prächtig gestaltet, aber beispielsweise gab es keine Schränke. Die spärlich eingerichteten Räume glänzten durch ihre Dekoration: Wandmalereien, motivisch bemalte Stoffbahnen als Bespannung und zahlreiche Gemälde. Vieles stammte von Lucas Cranach und seiner Werkstatt. Verschiedene Exponate der Ausstellung belegen diese prunkvolle Ausstattung: beispielsweise eine Ofenplatte mit der Darstellung eines antiken Helden, Reliefs einer Raumvertäfelung, die Szenen aus der biblischen Josephslegende zeigen, eine Truhe mit feinen Einlegearbeiten.

Der Luxus dieser Epoche zeigte sich auch in technischen Neuerungen, die das Leben versüßte und Gäste nachhaltig beeindruckte. Der Große Wendelstein zählt dazu, der einst in den großen Festsaal des Schlosses führte. Ohne Mittelachse gebaut, stach er selbst die berühmten Prachttreppen der Loireschlösser aus. Doch der Bauherr schätzte noch ganz andere Dinge: die Galerie von Wappen, Skulpturen und die steinernen Fürstenfiguren als Treppenwächter. Sie zeigen seine Verbundenheit mit den Vorfahren und die daraus abgeleitete Legitimation der Macht. In der Ausstellung ist die Originalbüste von Friedrich dem Weisen zu sehen, die einst am Wendelstein stand.

Auch die Tafelstube im Flaschenturm zählte zu den technischen Raffinessen, die von Zeitgenossen bestaunt wurden. Der intime Speiseraum im Obergeschoß des Turmes hatte unter dem Tisch einen mechanischen Aufzug für Flaschen. Diese Vorrichtung war so selten, dass sie dem Turm den Namen gab. Die Turmstube konnte mit dem Pferd erreicht werden, da eine breite Reittreppe hinauf führte. Erst im Jahr 2005 konnte die Tafelstube auch bauarchäologisch nachgewiesen werden. Eine Grafik gibt Auskunft, wie sie 1675 aussah.

Als Kunstmäzene sind die Kurfürsten in der Ausstellung sehr präsent. So ist eines der schönsten Gemälde aus der Kunstsammlung von Johann Friedrich dem Großmütigen zu sehen: „Christus segnet die Kinder" von Lucas Cranach d. J. Ein wichtiges Bildmotiv der Reformation. Gemälde veranschaulichen natürlich auch das Leben am Hof. Wie die rauschenden Feste aussahen, zeig u. a. eine „Venezianische Tanzgesellschaft mit Konfekttafel" (Frans Francken II, Antwerpen, um 1600) Gleichzeitig erfährt der Ausstellungsbesucher wie streng reglementiert der Tagesablauf eines Fürsten war.

 

Die Ausstellung gestattet also einen Blick hinter die Kulissen der offiziellen Geschichtsschreibung und erklärt in Wort und Bild, welche Denkweise das Leben am Hof bestimmte.

Ermöglicht wird dieser intime Blick durch anschauliche Texttafeln der Berliner Kunsthistorikerin Dr. Michaela Völkel und durch unterschiedliche Exponate, die teilweise Leihgaben, teilweise Reproduktionen aus den Beständen mehrer musealer Einrichtungen sind, insbesondere des Deutschen Historischen Museums Berlin, der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - Gemälde, Grafiken und Skulpturen, Kunstgewerbliche Gegenstände, Dokumente, Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Möbel, ergänzt durch Musik der Zeit.
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17.00 Uhr geöffnet, ab April bis 18.00 Uhr.
Erwachsen zahlen 3 €, Kinder 1 € und Familie 6 € Eintritt.
Im Preis inklusive ist eine interessante Audioguideführung.

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