Verschiedene Formen der Landwirtschaft: Landrat informiert sich vor Ort

12.05.22

Wie und von wem werden künftig unsere Nahrungsmittel produziert? Wie kommen sie auf den Tisch? Mit der Ukraine-Krise haben diese Fragen noch einmal zusätzlich an Gewicht gewonnen. Auf der Suche nach Antworten hat Nordsachsens Landrat Kai Emanuel in den vergangenen Wochen drei unterschiedliche landwirtschaftliche Akteure im Landkreis besucht.

Bei der Solidarischen Landwirtschaft „Knackiger Acker“ von Anne und Philip Gäbler in Kossa, bei der KoLa Leipzig in Taucha sowie bei der Agrargenossenschaft Arzberg informierte er sich über die jeweiligen Herangehensweisen bei Organisation, Produktion und Vertrieb.

„Es ist spannend zu sehen, mit welchen Ansätzen in Nordsachsen Lebensmittel erzeugt werden. Jedes Modell hat Stärken und Schwächen, aber ich bin überzeugt davon, dass alle ihre Daseinsberechtigung haben, wenn es um die künftige Ernährung der Menschen in unserem Land geht“, so Landrat Emanuel.

vergrößern Genossenschaftsvorstand Christian Heinrich, Landrat Kai Emanuel und Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth (von links) in der Arzberger Milchviehanlage.

Mit 2.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, 35 Hektar Wald, 350 Kühen und 350 Schafen gehört die Agrargenossenschaft Arzberg zu den großen Landwirtschaftsbetrieben in Nordsachsen. 48 Beschäftigte machen das Unternehmen zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Gemeinde.

Gleichzeitig sorgt das Genossenschaftsprinzip für die regionale und gesellschaftliche Erdung des Betriebs. Wer bei den Arzbergern arbeitet, ist gleichzeitig Genosse und bleibt dies auch nach Renteneintritt. Die von den Vorständen Annett Hapich und Christian Heinrich geführte Agrargenossenschaft hat die Märkte im Blick und reagiert. Auf der einen Seite wurde die Schweinezucht aus ökonomischen Gründen eingestellt, auf der anderen Seite investiert das Unternehmen in Biogasanlagen zur Energieerzeugung.

Ein sinnvoller Schritt auch aus Sicht des Landrats, der sich mit Blick auf die Energiewende allerdings für einen fairen Ausgleich zwischen Stadt und Land einsetzt. „Ohne die Leistungsfähigkeit der großen Agrarbetriebe kann die Grundversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland nicht gewährleistet werden. Landwirtschaftliche Flächen dürfen deshalb nicht für Windräder und Solarfelder aufgegeben werden, nur damit die Menschen im urbanen Raum mit gutem Gewissen grünen Strom zapfen können.“

vergrößern Landrat Kai Emanuel gemeinsam mit Anne und Philip Gäbler vor deren Haus in Kossa, wo auch die Ernteanteile der SoLawi abgeholt werden können.

Ganz ohne Technikeinsatz betreiben Anne und Philip Gäbler in Kossa bei Bad Düben die SoLawi „Knackiger Acker“. Auf 900 Quadratmetern bauen sie saisonal gesteuert mehr als 35 Sorten Bio-Gemüse an. SoLawi steht für Solidarische Landwirtschaft. Einen Vertrieb im üblichen Sinne gibt es nicht. Mitglieder erwerben monatlich sogenannte Ernteanteile. „Die Leute bezahlen nicht für eine Gurke oder einen Salatkopf, sondern geben ihr Geld dafür, dass der Betrieb läuft“, erläutert Anne Gäbler.

Diese Mitglieder kommen aus der Umgebung, gehören allen Altersklassen an. Es sind Familien genauso wie Singles, die an den Abholtagen zu Gäblers nach Kossa kommen, um ihren Ernteanteil abzuholen. In den nächsten Jahren soll die Palette um biologisch angebautes Obst sowie Eier und Fleisch aus biologischer Erzeugung erweitert werden.

Eine Entwicklung, die Landrat Kai Emanuel positiv bewertet: Die Etablierung von authentischen lokalen Marken mit direktem Vertrieb in der Region befriedige ein wachsendes Bedürfnis nach transparenter, ökologischer Lebensmittelproduktion und sei damit eine Ergänzung zur konventionellen Land- und Viehwirtschaft. „Jetzt müssen noch Mobilitätslösungen gefunden werden, um die so erzeugten Lebensmittel auch zu Menschen zu bringen, die sie sich nicht abholen können.“

vergrößern Landrat Kai Emanuel, Tilo Bischoff, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Delitzsch, KoLa-Vorständin Eva Köhler und der Tauchaer Bürgermeister Tobias Meier in einer Halle der KoLa in Taucha.

Aus einer SoLawi hervorgegangen ist die KoLa (Kooperative Landwirtschaft) Leipzig. Die Genossenschaft trägt zwar den Namen der Messestadt, ihre 35 Hektar Anbaufläche bewirtschaften sie aber vor den Toren der Großstadt im nordsächsischen Taucha. Mehr als 1.600 Genossen haben sich bereits eingebracht. Sie verbindet der Gedanke, so KoLa-Vorstandsmitglied Eva Köhler, dass es nicht um die einzelne Frucht, sondern um die Art der Erzeugung gehe, die sie unterstützen.

Die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der aus einem Gründer-Wettbewerb hervorgegangenen Unternehmung versorgen Menschen in und um Leipzig mit ökologisch angebautem Gemüse. Die sogenannten Ernteanteile werden mittels solidarischer Preisgestaltung auch einkommensschwächeren Menschen zugänglich gemacht. Die höhere Zahlungsbereitschaft der einen stützt den Bezug der anderen Genossenschaftsmitglieder.

Eins sei auch in diesem Fall klar, so Landrat Emanuel: „Die Stadt braucht das Umland. Hier entstehen die Lebensmittel und die Energieversorgung der Zukunft.“ Im Gegenzug sei der ländliche Raum auf die Arbeitskraft der Menschen angewiesen, die gerne in den Ballungsräumen leben. Kai Emanuel: „Die Region um Leipzig hat sich zu einem attraktiven Standort in vielen Branchen entwickelt. Gleichzeitig hat sich die Qualität des öffentlichen Personennahverkehrs durch getaktete S-Bahn- und Busverbindungen so weit verbessert, dass ein Leben in Leipzig und ein Job in Nordsachsen sehr gut miteinander vereinbar sind.“