Einsteigen bitte: Selbstfahrender Bus geht in öffentlichen Pilotbetrieb

14.07.22

vergrößern Landrat Kai Emanuel und Staatssekretärin Ines Fröhlich bei der feierlichen Überleitung des Shuttles in den öffentlichen Pilotbetrieb mit Fahrgästen. Foto: Christan Modla

Das FahrerLose Automatisierte SHuttle - kurz: FLASH - zwischen S-Bahnhof Rackwitz und Schladitzer Bucht ist ab sofort mit Fahrgästen unterwegs. Nordsachsens Landrat Kai Emanuel startete am 13. Juli 2022 gemeinsam mit Ines Fröhlich, Staatssekretärin für Digitalisierung und Mobilität im Sächsischen Wirtschaftsministerium, den öffentlichen Pilotbetrieb des selbstfahrenden Busses.

Mit Anschluss zu den S-Bahnen in Richtung Leipzig und Delitzsch verkehrt FLASH donnerstags bis sonntags stündlich von 10.07 bis 18.07 Uhr vom Bahnhof Rackwitz zur Schladitzer Bucht und 10.38 bis 18.38 Uhr ebenso stündlich von dort wieder zurück. Die Fahrzeit beträgt rund 15 Minuten. Am Morgen besteht zusätzlich eine Rufbus-Option. Die Schladitzer Bucht wird damit erstmals an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen.

Zu den ersten Fahrgästen, die Staatssekretärin Fröhlich und Landrat Emanuel begrüßen konnten, gehörten Badelustige, Tagesausflügler sowie Beschäftigte des Freizeit- und Familien-Resorts am Schladitzer See. Zur Erinnerung an ihre Premierenfahrt erhielten sie eine Badetasche mit Strandtuch und Sonnencreme im FLASH-Design.

„FLASH ist der erste Baustein für weitere, derzeit anlaufende Innovationsprojekte, mit denen wir die Mobilität der Zukunft im ländlichen Raum gestalten wollen“, kündigte Landrat Emanuel an. So werde die 5G-Leitstelle „DiSpoGo“ eine ferngesteuerte Überwachung des Shuttles ohne Sicherheitspersonal an Bord ermöglichen. Durch das flexible ÖPNV-System „Platooning“ wiederum könnten sich automatisierte Kleinbusse bei Bedarf zu größeren Einheiten koppeln.

FLASH Pressetermin von Landkreis Nordsachsen und Mitteldeutschem Verkehrsverbund (MDV) an der Schladitzer Bucht am 13.07.2022. R4R-Prototyp eines selbstfahrenden Lastenrads in Aktion.Foto: vergrößern Und für die Bewältigung der sogenannten letzten Meile von der Haltestelle bis zur Haustür sei beispielsweise das hochautomatisierte Fahrradsystem „R4R“ vorgesehen, bei dem der Drahtesel selbstständig zur Verleihstation zurückkehrt. Passend dazu präsentierten Vertreter der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg den anwesenden Gästen den Prototyp eines autonom fahrenden Lastenrades.

„Der Landkreis Nordsachsen gestaltet mit dem Projekt FLASH schon jetzt die Mobilität von Morgen und ebnet den Weg für eine nachhaltige Mobilitätswende. Hier werden ganz real neueste Erkenntnisse der Automatisierung von Fahrzeugen umgesetzt und die Themen Klimaschutz, Digitalisierung und innovative Technologien sichtbar gemacht. Eine Vernetzung automatisierter Fahrzeuge ermöglicht eine höhere Verkehrseffizienz, denn das Verkehrsangebot wird nachfrageorientiert gesteuert“, würdigte Staatssekretärin Ines Fröhlich die Vorreiterrolle Nordsachsens.

„Es geht aber um mehr als nur um die schon zukunftsweisende technische Anwendung: Der Einsatz von autonomen Fahrzeugen im ÖPNV bietet den Nutzerinnen und Nutzern ein attraktives Angebot, das sich an ihren Bedürfnissen orientiert. Auch deshalb verdeutlicht das Projekt bereits heute, dass autonome und vernetzte Systeme einen maßgeblichen Beitrag zur Reduzierung von Umweltbelastungen leisten werden. Schon jetzt freue ich mich darauf, dass in einer späteren Projektphase auch alternative Antriebstechniken zum Einsatz kommen werden.“

Extra aus Berlin nach Rackwitz gereist, um bei der feierlichen Überleitung des Shuttles in den öffentlichen Pilotbetrieb dabei zu sein, waren der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Torsten Herbst, und IAV-Geschäftsführer Matthias Kratzsch, der sich im Namen der Partnerunternehmen für die hervorragende Zusammenarbeit bedankte. Er betonte, dass Mobilität nicht nur großstädtisch gedacht werden dürfe. Die Automatisierung biete gerade auch im ländlichen Raum viele Chancen. „FLASH leistet einen wichtigen Beitrag, auch für mehr Akzeptanz“, so Kratzsch.

„Während der Pilotphase mit bis zu 20 Passagieren pro Fahrt wollen wir Verbesserungspotenziale im normalen ÖPNV-Betrieb erkennen“, sagt FLASH-Projektleiter Christian Hoyas vom Landratsamt. Ab 2023 werde der Bus dann in den regulären Linienverkehr integriert. Bereits jetzt gelte der übliche MDV-Tarif. Mit bis zu 70 km/h sei er außerdem einer der schnellsten automatisiert fahrenden Busse im öffentlichen Straßenraum. „Sicherheit wird dabei ganz großgeschrieben. Das Begleitpersonal kann die Steuerung des Fahrzeuges jederzeit nahtlos übernehmen.“

Weitere Infos: www.flash-bus.de

FLASH Pressetermin von Landkreis Nordsachsen und Mitteldeutschem Verkehrsverbund (MDV) an der Schladitzer Bucht am 13.07.2022. vergrößern FLASH fährt nun donnerstags bis sonntags die Haltestelle an der Schladitzer Bucht an. Foto: Christian Modla