Ohne Narkose: Krallenschnitt bei Bärin Jette durch „Medical Training“

25.08.22

Letztlich ging es doch ganz schnell: Torgaus Altbärin Jette hält ihre rechte Vordertatze ans Gitter, schaut zu ihrer Pflegerin Heide Grieser, während Tierarzt Dr. Markus Lohr die verwachsene Kralle abknipst. Voraus ging dieser Aktion allerdings eine monatelange Übung, die in der Fachsprache als „Medical Training“ bezeichnet wird. „Ich bin so glücklich, dass alles gut gegangen ist“, freut sich die Bärenpflegerin von Schloss Hartenfels. „Wir wollten Jette unbedingt eine Narkose ersparen.“

Diese hätte für die 34-jährige Bärin eine riskante körperliche Belastung bedeutet. Umso mehr war die im Oktober 2021 begonnene Zusammenarbeit mit der Tiertrainerin Nadine Keune vom Trainingszentrum „Pferd (H)und Mensch“ in Belgern willkommen. Sie erklärt: „Im Medical Training arbeiten die Bären freiwillig auf Basis von Belohnung und sinnvoll durchdachtem Training mit. So ist die Vorbereitung auf notwendige Behandlungen möglich, die später ohne Narkose am freiwillig mitarbeitenden Tier vorgenommen werden können. Das minimiert den Stress für Mensch und Bär enorm.“

Bei Jette war der Behandlungsbedarf groß, da die Kralle einer Zehe über die andere gerutscht war und Verletzungen am Ballen drohten. Bei der alten Bärin nutzen sich die Krallen an den vorderen Tatzen nicht mehr so schnell ab, weil ihr Bewegungsdrang altersbedingt nachgelassen hat. Die Jungbären Bea und Benno haben dieses Problem nicht, dennoch wird auch mit ihnen regelmäßig geübt, um zu prüfen, ob ihre Tatzen unverletzt sind.

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