Positiver Trichinennachweis beim Wildschwein

Das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt informiert:

Bei einem im Mai 2011 im Raum Doberlug-Kirchhain erlegten jungen Wildschwein wurde ein massiver Befall mit Trichinen festgestellt. Vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin wurde der Befund inzwischen bestätigt und Trichinen der Gattung Trichinella pseudospiralis diagnostiziert.

Da sich der Landkreis Elbe-Elster in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landkreis Nordsachsen befindet, weist das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt Nordsachsen mit Nachdruck darauf hin, dass alle Tiere, die Träger von Trichinen sein können, unter anderem Hausschweine und Schwarzwild jeglichen Alters, sowie Dachse, Nutrias, Bären, fleischfressende Säugetiere und Pferde, trichinenschaupflichtig sind, wenn sie dem Verzehr durch Menschen zugeführt werden sollen.

Die Trichinose ist eine weltweit vorkommende, vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung, die einen milden bis tödlichen Verlauf haben kann. Die mit dem Fleisch aufgenommenen Trichinenlarven werden durch die Einwirkung der Verdauungssäfte im Magen aus ihren Kapseln befreit und in den Darmbereich transportiert. Dort dringen sie in die Schleimhaut des Verdauungstraktes ein und durchlaufen innerhalb von 24 - 30 Stunden eine rasche Entwicklung zu geschlechtsreifen Würmern. Die weiblichen Tiere sind in der Lage, nach weiteren 5 Tagen ca. 1000- 1500 Larven zu produzieren. Über die Blut- und Lymphgefäße erreichen die jungen Larven die quergestreifte Muskulatur, in welcher sie sich dann nach 2 - 3 Tagen abkapseln. Bevorzugt werden sauerstoffreiche, gut durchblutete Muskelgruppen z. B. Zwerchfell, Nacken- und Kaumuskulatur, Muskulatur des Schultergürtels einschließlich der Oberarme. Innerhalb der Kapsel sind die ca. 1mm langen Larven spiralförmig aufgerollt und können bis zu 30 Jahre lang überleben.

Der Mensch gilt als hoch empfänglicher Wirt. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Mattigkeit, wellenartig auftretendes hohes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und starkes Durstgefühl. Vom neunten Tag an bis zu drei bis vier Wochen nach der Infektion stellen sich Muskelverhärtungen, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Schluckbeschwerden sowie Schwellungen im Gesichtsbereich, besonders der Augenlider und des Unterkiefers, ein. Kopfschmerzen, Sehstörungen und Bindehautentzündung sind teilweise charakteristische Begleiterscheinungen. Gefährliche Komplikationen können Herzmuskelentzündungen, Hirnhautentzündung und Sekundärinfektionen, wie Entzündung der oberen und unteren Atemwege, und Blutvergiftung, sein.

In Deutschland ist die Trichinenuntersuchung gesetzlich vorgeschrieben und steht mit der Durchführung der Untersuchungsmethoden unter der Aufsicht der Veterinärbehörden. Diese Maßnahme gilt als vorbeugender gesundheitlicher Verbraucherschutz und hat sich seit langem bewährt.

Der Amtstierarzt