Das "Schmallenberg-Virus" und seine derzeitige Bedeutung in Deutschland

Das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt informiert:

Laut Falldefinition des Friedrich-Löffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) handelt es sich bei dem in Deutschland erstmalig in Schmallenberg (Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen) nachgewiesenen Virus um ein Orthobunyavirus aus der Familie der Bunyaviridae. Bislang war dieses Virus unbekannt. Die Symptome ähneln denen des Akabane-Virus, einem Virus der gleichen Gruppe, welches in Asien, Australien und Afrika vorkommt.

Das „Schmallenberg-Virus" ist bei Schafen, Ziegen und Rindern nachgewiesen worden. Die Übertragung erfolgt vermutlich durch stechende Insekten. Weitere Übertragungswege sind bis jetzt nicht bekannt, werden aber untersucht. Nach der Infektion treten eventuell kurzzeitig Durchfälle, Fieber und/oder Rückgang der Milchproduktion auf, es kommt aber auch zu unbemerkten symptomlosen Verläufen. Erfolgt die Infektion in bestimmten Zeiträumen während der Trächtigkeit, kann es zu Fehlgeburten oder schweren Missbildungen (Gelenkdeformationen, Wasserkopf, neurologische Symptome durch Enzephalitis) der Jungtiere kommen. Die neugeborenen Jungtiere sind lebensschwach und sterben oft kurz nach der Geburt.

Bislang wurde das Virus in Deutschland 20 mal, in den Niederlanden 52 mal und in Belgien 14 mal (Stand 11. Januar 2012) nachgewiesen. Die bisherigen Nachweise wurden in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geführt. Am 30. Januar wurde der erste Fall in Thüringen gemeldet. Auf Bundesebene wird zurzeit die Einführung der Meldepflicht für die Krankheit vorbereitet, dafür muss das Bundesratsverfahren durchlaufen werden. Bis dieses abgeschlossen ist, regeln die Länder das Vorgehen. Vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz wurde unter anderem ein virologisches Monitoring festgelegt. Dafür sollen abortierte bzw. lebend mit typischen Missbildungen geborene Kälber oder Lämmer zur Untersuchung an die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen (LUA) eingesandt werden. Die Kosten für die Untersuchung auf das Schmallenberg-Virus trägt das Land. Die Übernahme sonstiger anfallender Kosten kann im Rahmen von Programmen der Sächsischen Tierseuchenkasse geprüft werden. Der Nachweis des Virus bedingt bis auf Weiteres keine tierseuchenrechtlichen Restriktionen. Sofern ein positiver Virusnachweis in einem Tierbestand erfolgte, kann von weiteren Einsendungen aus diesem Bestand abgesehen werden.

Derzeit gibt es keine Hinweise, dass das Virus Menschen infizieren kann, es ist jedoch nicht ausgeschlossen. Veterinär- und Gesundheitsbehörden untersuchen das Vorkommen weiter. Ein Impfstoff zum Schutz vor der Infektion ist noch nicht verfügbar. Um eine Infektion der Tiere zu vermeiden, besteht derzeit nur die Möglichkeit der Stechmückenbekämpfung. Das Friedrich- Loeffler- Institut unterstützt nach eigenen Angaben die Entwicklung eines Impfstoffes, wobei noch nicht klar ist, ob einmal infizierte Tiere eventuell immun gegen die Krankheit bleiben.

 

Landwirte sind daher aufgefordert, bei Beobachtung vermehrter Verlammungen bzw. Verkalbungen in ihrem Bestand den Tierarzt bzw. das zuständige Veterinäramt hinzuzuziehen, damit eine Abklärungsuntersuchung erfolgen kann.

 

Die Amtstierärztin