Staatsministerin für Kultus übernahm Schirmherrschaft für Theaterprojekt des Johann-Walter-Gymnasiums Torgau

Die Theaterinszenierung „LUTHER in MIR“ – eine Verbindung von Historie und Heute

Die Tatsache, dass Luther als Mensch im Widerspruch gilt und heute eine der umstrittensten Figuren der Geschichte, voller Gegensätze und unverkennbarer Brüche verkörpert, erscheint derzeit für junge Heranwachsende prädestiniert zu begreifen, dass viele Fragen, die ihn damals beschäftigten, heute nicht veraltet sind.
Sein facettenreicher Charakter vereint in sich große Unterschiede: Eine außergewöhnliche Vitalität, ein unbändiges Temperament, Momente des Ungezügelten stehen neben Zügen von großer Sensibilität. Luther ist oft irritiert und tief verunsichert. Zugleich faszinieren seine erstaunliche Arbeitskraft und immense Produktivität, seine durchaus singuläre theologische Denk- und Gestaltungskraft sowie die Sprachgewalt seiner Schriften.
Mehr als ein Anreiz für junge Menschen, sich ihm zu nähern, ihn zu erforschen, zu begreifen und sein leidenschaftliches Ins-Spiel-Bringen als Inspiration zu erkennen.


Luthers Lebensmelodie der Unvergänglichkeit

Die vielen positiven Erfahrungen unserer Inszenierung „Jetzt Zeit Legende" nutzend, erarbeiten wir mit dem Beginn dieses Schuljahres das Sujet für das Musik-Theater-Projekt „LUTHER in MIR", dessen Premiere am 22. Juni 2013 geplant ist.
In dieser zielgerichteten Gemeinschaftsproduktion des Johann-Walter-Gymnasiums, der Kreismusik-schule „Heinrich Schütz", der „Lebenshilfe" Torgau e.V. sowie des „Evangelischen Jugendbildungspro-jektes wintergrüne" sehen wir eine hervorragende Möglichkeit, durch das Zusammenwirken nuancierter Künste junge Menschen für das individuelle und gemeinschaftliche Erleben aufzuschließen, zu motivieren, zu begeistern, langfristig und bleibend. Sie können sich interessenspezifisch ausprobieren, vervollkommnen und dabei gleichzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen.
In reichem Maße Wertschätzung erlebten die Jugendlichen bereits bei ihrer Teilnahme an der erfolg-reichen Präsentation durch den Landkreis Nordsachsen und die Großen Kreisstadt Torgau hinsichtlich der Bewerbung um den UNESCO-Welterbetitel für Schloß Hartenfels im Sächsischen Innenministerium im Mai 2012. Hier inszenierten sie eine kürfürstliche Tischrunde, debattierten über die Aufgaben von Staat und Kirche und überzeugten die Jury aufgrund hoher Authentizität.
Ausgehend von dem Namen der Schule, Johann Walter, besteht unser Bedürfnis des Modell-Projektes „LUTHER in MIR" darin, sowohl den Protagonisten als auch den Rezipienten die histori-schen Bezüge der Stadt Torgau zu Martin Luther und zur Reformationsgeschichte nahe zu bringen und sie dazu zu führen, Wege zum Verständnis der Gedanken des 16. Jahrhunderts und deren Vermittlung an verschiedene Altersgruppen zu entwickeln.
Gleichzeitig ist es uns ein Bedürfnis, Persönlichkeiten und Institutionen des Hier und Jetzt, deren En-gagement beispielgebend für uns alle ist, in unser Konzept zu integrieren.
Es beinhaltet die Sachthemen:
● Torgau als politisches Zentrum der Reformation
● Die Leistungen Johann Walters für die Geschichte der evangelischen Kirchenmusik
● „Luther" und „Katharina" in der Jetzt-Zeit.

Intentionen des kreativen Projektes

Das differenzierte Einbringen der Erkenntnisse, Emotionen, Wertvorstellungen und Kompetenzen mündet in nachfolgend genannte Zielstellungen, die den bereichernden praxisrelevanten Bezug zur Thematik unmittelbar verkörpern:

Selbstständiges Erarbeiten einer Theaterinszenierung, die biografische Aspekte Luthers tangiert und mit dem gegenwärtigen Zeitgeist in Beziehung setzt, sowie Aufführung dieser sowohl in der Tor-gauer Schlosskirche, dem ersten protestantischen Kirchenneubau, als auch im „Evangelischen Ju-gendbildungsprojekt wintergrüne", der ersten Superintendentur der Geschichte, einem Gebäude, in dem fortschrittliche Menschen zukunftsgerichtete Gedanken entwickelten und der Reformator Martin Luther wichtige Arbeitsschwerpunkte prägte - Spielort ist somit die einzige Lutherstätte Sachsens.

Ausgehend von der persönlichkeitsprägenden Relevanz der Künste in all ihren Formen für die Ent-wicklung des Einzelnen, betrachten wir in dieser Inszenierung die Kooperation aller Partner als hohes Potenzial, den Lebenslauf eines Jugendlichen positiv zu beeinflussen.
Deshalb ist es unsere Zielstellung, das Musik-Theater-Projekt „LUTHER in MIR" einer breiten Öffent-lichkeit zu präsentieren. An renommierten Orten, wie zum Beispiel dem Augustinerkloster in Erfurt zu spielen, erscheint uns im Zeitraum der unterrichtsfreien Zeit als sehr gut realisierbar und für alle Betei-ligten von unschätzbarem Gewinn.
Des Weiteren sehen wir es als sehr wertvoll an, die Reflexionen der Jugendlichen anderen Heran-wachsenden vorzustellen, sie zu inspirieren, sich der Thematik aufgeschlossen und gespannt zu nä-hern. Hieraus erwächst unsere zweite Intention:

Erstellen der filmischen Adaption "LUTHER in MIR", in der sowohl die fünf Akte der Theaterin-szenierung als auch deren involvierte Gegenwartssequenzen zu einem Feature zusammengefügt werden, das in seiner medialen Bearbeitung gleichfalls die Möglichkeit lässt für Interviews, Kommenta-re und ein weiterführendes Nachdenken.

Unser Bestreben besteht darin, diesen Impulsfilm der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfü-gung zu stellen, um möglichst viele Rezipienten anzusprechen, sich der Persönlichkeit Martin Luther zuzuwenden.
Das Feature wird ebenso Gegenstand werden des 3. Treffens mitteldeutscher Lutherschulen und mit seinen Ideen vielfältige Anregungen für eine aufgeschlossene Auseinandersetzung der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen bieten.

Inhaltliche Schwerpunktsetzung - eine Verbindung von Historie und Heute

Aus unserem Leitbild entstand ein Konzept, welches mit der Zeit immer mehr Aktualität verliehen be-kam und aus der Idee, das Handeln des Martin Luther auf unser modernes Zeitalter zu projizieren, wurde ein Musik-Theater-Projekt mit den differenziertesten Facetten, die die Schauspielkunst bietet.
Das Drehbuch offenbart wichtige Charakteristika Luthers und lässt diese als eine Lebensmelodie der Unvergänglichkeit in unsere Gegenwart münden.
Wir wählten die Thematik, da Torgau als Amme der Reformation bezeichnet wird, jedoch oft gegen-über anderen Lutherstädten Deutschlands verblasst. Um dieser Erscheinung entgegenzuwirken, wid-men wir einen ganzen Akt dem Leben des Reformators in Torgau und seiner Zusammenarbeit mit dem Kantor Johann Walter.
Ein weiterer Grund hierfür ist natürlich die derzeitige Lutherdekade, in deren Rahmen den Reformen Martin Luthers gedacht und die Unabdingbarkeit seines Mutes und seiner Durchsetzungskraft aufge-zeigt wird.
Martin Luther scheint im modernen 21. Jahrhundert völlig fremd und entfernt zu sein, jedoch kann er mit den verschiedensten Bereichen unseres Lebens in Verbindung gebracht werden und um die Dis-tanz zwischen dem Reformator Luther und den Menschen, besonders den Jugendlichen, zu verringern, setzen wir historische Bilder mit modernen Gegenwartsbezügen wie ein Puzzle zusammen, um letztendlich ein völlig neues Bild des Reformators zu erstellen.
So geht es in dem I. Akt um Luther, der gegen sich selbst und seine Eltern „kämpft". Um hier den mo-dernen Bezug einzubringen, haben wir uns für ein pantomimisches Spiel mit der Aussage „Kampf gegen Autoritäten" entschieden. Und so zieht sich das durch alle fünf Akte. Dem historischen Bild „Luther unter Studenten und Bauern" entspricht das Gegenwartsfeature „German History", konkret die Sequenz „Mauerfall 1989", auch hier begehren die Menschen gegen die Missstände der Gesellschaft auf. Eine weitere Assoziation ist nach dem III. Akt „Luther und Katharina" integriert: Eine audiovisuelle Sequenz zeigt die im Jahr 2012 in Torgau gekürte Katharina-von-Bora-Botschafterin Cathrin Schauer als Fürsprecherin misshandelter Kinder an der deutsch-tschechischen Grenze.
Akt IV - Luthers Bedeutung für die deutsche Sprache - spiegelt sich in der modernen Parallele der Darstellung der Ausdruckskraft von Körperkommunikation durch den aktuellen Tanzstil Hip-Hop wider. Unser abschließendes Bild geht über die Gegenwart hinaus. In Anlehnung an die Ideale Luthers und Johann Walters, verbinden sich hier die beiden Phänomene „Musik" und „Freiheit". Michael Grunow und Jonathan Saretz, Schüler der Klasse 12, agieren im Wechselspiel. Michael performt seinen selbst verfassten Poetry Slam zu gleichem Thema, symbolisiert den modernen Luther, welcher seine Mei-nung offenkundig artikuliert, gegen alle Vorurteile, gegen alle Kritiken. Jonathan verkörpert Johann Walter, einst Freund und Unterstützer Luthers, nunmehr Partner visionärer Gedanken.

Eine besondere Motivation für alle beteiligten Schüler ist die Zusage der Kultusministerin, Frau Brun-hild Kurth, zur Übernahme der Schirmherrschaft über unser Musik-Theater-Projekt „LUTHER in MIR".

Dr. Gabriele Hönicke
Fachleiterin Johann-Walter-Gymnasium Torgau