Die Afrikanische Schweinepest - eine gefährliche Tierseuche auf dem Vormarsch


Das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt informiert:

Seit 2007 verbreitet sich das Virus der Afrikanischen Schweinepest von Georgien nach Russland und Weißrussland aus. Inzwischen ist die Afrikanische Schweinepest auch in der Europäischen Union angekommen. Nach ersten Fällen in der Wildschweinpopulation an der polnischen Grenze zu Weißrussland und in Litauen wurden in der vergangenen Woche auch Fälle aus Lettland berichtet.


Erhöhte Vorsicht ist nun geboten, um einer Ausbreitung der Seuche nach Deutschland und einer Einschleppung des Virus in die Hausschweinebestände vorzubeugen.

 

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung mit seuchenhaften Verlauf, die sowohl Wild- als auch Hausschweine befällt. Ein Ausbruch dieser Tierseuche hat enorme wirtschaftliche Schäden zur Folge. Diese Seuche ist anzeigepflichtig, eine sichere Diagnose ist nur durch eine Laboruntersuchung möglich. Gegen die ASP gibt es keinen Impfstoff und keine Therapie, weshalb die Bekämpfung dieser Tierseuche gerade im Wildbestand sehr schwierig ist.


Die Bekämpfungsmaßnahmen beschränken sich auf die strenge Einhaltung der Hygieneregeln (Reinigung und Desinfektion, Hygieneschleusen, Beschränkung des Personenverkehrs, Unterbindung des Kontaktes zwischen Haus- und  Wildschweinen) sowie die Populationskontrolle der Wildschweine.

 

Im Falle eines Erregernachweises bei Wild- und Hausschweinen werden Sperrbezirke und Restriktionszonen errichtet, um den Handel mit Tieren und Erzeugnisse aus diesem Gebiet zu beschränken. Falls eine Infektion bei Hausschweinen vorliegt, müssen alle betroffenen Tiere getötet und unschädlich beseitigt werden.
 
Was können Jäger vorbeugend tun?

 

Die Jägerschaft ist aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von Fallwild und Auffälligkeiten, wie abgekommene Stücke und mangelnde Scheu, unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt zu melden. Verendet aufgefundene Wildschweine sind ein wichtiges Alarmsignal, insbesondere wenn sie gehäuft (in Gruppen) aufgefunden werden.


Beim Aufbrechen der Stücke sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.


Alle verdächtigen Befunde sind amtlich abklären zu lassen. Bis zur Abklärung ist für eine sichere Verwahrung der Stücke zu sorgen. Der Jäger sollte von solchen verdächtigen Stücken möglichst keine Proben nehmen sondern in Absprache mit dem Veterinäramt den gesamten Tierkörper zur Untersuchung an die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen (LUA) verbringen. Damit soll eine weitere Verschleppung der ASP verhindert werden.


Ein hohes Risiko der Verbreitung der ASP wird durch den globalisierten Handel, die illegale Einfuhr, durch die Einschleppung über tierische Lebensmittel und Lebensmittelreste gesehen. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei Autobahnrastplätzen zu, wo Speiseabfällen von Transitreisenden entsorgt werden, zu denen auch Schwarzwild Zugang haben kann.

 

Aus diesem Zusammenhang bittet die LUA nachdrücklich um eine verstärkte Einsendung von Organproben von Schwarzwild aus Autobahnanrainergebieten. Geeignetes Organmaterial sind die Milz, Tonsillen, Kopflymphknoten und die Nieren. Diese Proben sollten flüssigkeitsdicht verpackt  und über das Veterinäramt an die LUA geschickt werden.


Ebenso sollte der Jagdtourismus in kritische Gebiete wie Russland, Litauen oder Weißrussland unter besonderer Beobachtung stehen, damit eine Virusverschleppung über diesen Weg nach Deutschland unterbleibt. Kleidungsstücke und Gegenstände dürfen nicht mit Blut behaftet sein, wenn sie nach der Rückkehr wieder im Revier verwendet werden. Auf die Mitnahme von Jagdtrophäen oder Schweinefleisch sollte man besser verzichten.


Auch eine sachgerechte  Entsorgung von Wildabfällen (Decken, Kadavern) ist ein Aspekt der Seuchenverhütung. Durch Wildabfälle und Kadaver gefallener Tiere kann sich der Virus der Afrikanischen Schweinepest ebenso ausbreiten wie durch den direkten Kontakt infizierter Tiere.


Deshalb sollte verdächtiges Fallwild sofort aus dem Revier und zur Untersuchung an die Landesuntersuchungsanstalt verbracht werden.


Hinsichtlich der Entsorgung von Wild und Wildabfällen ist zu beachten:

 

Stammen diese von Tieren mit Krankheitsanzeichen oder aus Gebieten, die wegen Tierseuchen gemaßregelt sind:

  • Das Tier verhielt sich vor dem Erlegen seuchenverdächtig
  • Der Tierkörper zeigt Anzeichen einer auf Mensch oder Tier übertragbaren Krankheit oder Tierseuche
  • Der Jagdbezirk der Erlegung ist aufgrund einer Tierseuche gemaßregelt (Sperrbezirk, Beobachtungsgebiet)

dann sind die Abfälle als tierische Nebenprodukte über eine Tierkörperbeseitigungsanstalt zu entsorgen.

Aus seuchenhygienischen Gründen wird dringend abgeraten, Aufbruch und Abfälle von Schwarzwild auf Luderplätzen und zur Kirrung zu verwenden.


Was müssen Schweinehalter besonders beachten?


Erhöhte Wachsamkeit ist geboten. Beim Auftreten akuter Symptome, die nicht klar einer anderen Krankheit zugeordnet werden können und bei vermehrt fieberhaften Erkrankungen, die nicht auf eine Antibiotika-Therapie ansprechen, sollte geeignetes Untersuchungsmaterial zur Abklärung einer möglichen Schweinepestinfektion zur LUA eingeschickt werden. Gleiches gilt für gehäufte Aborte und Todesfälle.


Eine Ansteckung kann durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Speichel, Exkremente, Blut) und deren Produkten, aber auch über kontaminierte Geräte, Fahrzeugreifen, Schuhwerk und andere unbelebte Vektoren erfolgen. Das verbotene Verfüttern von Speiseabfällen kann ursächlich für eine Erkrankung sein. Ein hohes Risiko der Verschleppung besteht auch durch unzureichend gereinigte und desinfizierte Tiertransportfahrzeuge, die von Transporten aus dem Ausland zurückkehren.


In Schweinehaltungsbetrieben ist daher ein konsequentes Hygienemanagement durchzusetzen. Die Biosicherheitsmaßnahmen gemäß Schweinehaltungshygieneverordnung wie:

  • Ständige Betreuung durch einen Tierarzt
  • Geschultes Personal
  • Beschränkter Personen- und Warenverkehr
  • Betriebseigene Kleidung
  • Zwangsduschen beim Betreten der Schweinebestände
  • Quarantäne der Zukäufe
  • Festgelegtes Transportmanagement


sind strikt einzuhalten. Bei Verdacht auf eine Infektion mit der ASP sollte sofort Kontakt mit dem Hoftierarzt und dem Veterinäramt aufgenommen werden.

gez. Mai

Amtstierärztin