„Mit Kopf, Herz und Hand“ Nadine ist eine Quereinsteigerin und sie ist die Neue, die bleiben wird.

Heute hat Nadine Frühschicht. Die anstehenden Arbeitsabläufe geht sie gedanklich vor dem Arbeitsbeginn durch: zuerst den Pflegewagen vorbereiten. Sind Fön, Handschuhe und Pflegemittel im Wagen verstaut? Ist noch ausreichend Desinfektionsmittel da? Sind die Getränke im Gemeinschaftsraum vorbereitet, bevor sie die Heimbewohner hineinbegleitet? Gedanklich geht Nadine weiter zur Dienstübergabe am Morgen. Irgendwelche Zwischenfälle in der Nacht?Nadine bleibt nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken. Sie hat nur einen 5-minütigen Fahrtweg bis zum Altenpflegeheim „Haus Albanus“ in Schkeuditz. Und schon steckt sie in ihrer Dienstkleidung und übernimmt das Zepter.„Die typischen Arbeiten, die jeder aus der Altenpflege her kennt, sind das Waschen, Anziehen, Windeln und so weiter“, erklärt Nadine. „Aber das ist längst nicht alles. In meinem Job begleite ich alte Menschen über einen meist längeren Zeitraum bis zu ihrem Ableben. Ich arbeite mit Kopf, Herz und Hand! Da gehört die Grundpflege dazu, aber auch das Medizinische. Ich setze die Medikation für die Bewohner, führe Blutabnahmen durch und kann auch einen Katheter legen, wenn es notwendig ist. Genauso wichtig ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Hauswirtschaft, Küche und Verwaltung.“, ergänzt sie. Darüber hinaus hat Nadine fast täglich Kontakt zu Hausärzten und Therapeuten ihrer Bewohner. Nadine lächelt Erika, eine 84-jährige Heimbewohnerin auf Station 4 liebevoll an und streichelt ihre Wange. „Guten Morgen Erika“, haucht sie sanft. Und Erika begrüßt ihre Pflegerin mit einem zufriedenen Lächeln. „Diese Momente sind es, die ich liebe“, schwärmt Nadine. „Ich ernte jeden Tag so viel Dankbarkeit. Und das Vertrauen, das mir geschenkt wird, ist sehr kostbar für mich. Ich trage ja auch die Verantwortung für das Wohl unserer Bewohner. Da muss ich konzentriert und gewissenhaft sein“. Bevor sie Erika die Medikamente reicht, wirft sie einen prüfenden Blick in die Medikamentenbox. „Ich checke das lieber zweimal, bevor ich irgendwelche Medikamente verabreiche“, sagt sie. Was Nadine interessiert sind die Biografien ihrer Heimbewohner. „Ich habe großen Respekt vor dem Alter. Unsere Bewohner haben schon so viel erlebt in ihrem Leben. Sie haben Kriege durchlitten, Kummer und Leid erfahren. Aber da gibt es auch so viele schöne Erlebnisse, über die sie mir berichten.“, erzählt Nadine. „Ich kann gut nachvollziehen, wie groß der Schritt in ein Altenpflegeheim für einen älteren Menschen ist. Er muss sein gewohntes Umfeld verlassen. Man sagt nicht ohne Grund »einen alten Baum verpflanzt man nicht«. Umso wichtiger ist es, dass ich den Bewohner verstehen lerne, um ihm die neue Situation so angenehme wie möglich machen zu können.“ Aus Nadine`s Worten wird der respektvolle und herzliche Umgang mit älteren Menschen deutlich. „Erst wenn ich die Biografie des neuen Bewohners kenne, weiß ich, wie ich ihm helfen kann, was er mag oder nicht mag. Das ist ganz wichtig, um sich einzuleben.“, resümiert Nadine. Bei Nadine wird jeder Bewohner ganz individuell betreut. Das geht schon beim morgendlichen Wecken los. Sie erzählt: „Wenn der eine gern etwas länger schlafen möchte, dann nehme ich darauf Rücksicht und wecke ihn erst nachdem die anderen gewaschen und angezogen sind.“ Auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Patient, Pfleger und Angehörigen legt Nadine besonderen Wert. „Gerade bei dementen Patienten merkt man, wie wichtig die Zusammenarbeit ist. Wir Pfleger kennen das Krankheitsbild und können damit umgehen. Angehörigen fällt es manchmal schwer, das Verhalten ihrer Liebsten zu verstehen und zu tolerieren. Da muss ich oft aufklären.“, erklärt Nadine und erzählt weiter, „zum Beispiel schon, wenn ich gegenüber einem dementen Patienten eine andere Ansprache wähle. Aber das gehört eben zu meinem Job.“ Als Nadine vor 4 Jahren in die Pflege wechselte, stieße sie auf Unverständnis in ihrem privaten Umfeld. „Als Altenpflegerin bist du doch nur fürs Hintern abwischen zuständig!“, musste sie sich anhören. Doch sie hatte während eines Praktikums Gefallen an dem Job gefunden. „Ich kann nur jedem empfehlen, einmal in der Pflege Probe zu arbeiten.“, sagt sie. Erst dadurch lerne man den Beruf richtig kennen und könne herausfinden, ob es einem wirklich liegt. „Ich hätte vor 10 Jahren nie gedacht, dass ich mal in der Altenpflege lande.“, sagt Nadine lachend. Die 39-Jährige war bis zum Jahr 2008 Soldatin auf Zeit bei der Bundeswehr und für die Beschaffung zuständig. „Ich war in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo.“, berichtet sie. „Als ich aus der Bundeswehr ausschied, hatte ich es schwer, Fuß zu fassen. Ich musste mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten.“, blickt Nadine zurück. Doch 2014 wagte sie den Schritt ins Ungewisse und kam als Quereinsteigerin zur ambulanten Pflege. Zunächst als Pflegehelferin betreute sie ältere Menschen in der Häuslichkeit. 2015 wechselte sie in die stationäre Pflege und begann eine Ausbildung als Pflegefachkraft im Altenpflegeheim „Haus Albanus“ in Schkeuditz, die sie in wenigen Wochen abschließen wird. „Bald habe ich es schafft!“, verkündet sie stolz. Sie wartet mit einem guten Gefühl im Bauch auf ihre Abschlusszeugnisse. Doch ausruhen will sie sich später auf ihrem Berufsabschluss nicht. „Schon bald beginne ich eine Weiterbildung als Praxisanleiter. Ich mache meinen Beruf richtig gern und möchte mein Wissen an andere weitergeben.“ Als Praxisanleiter hat Nadine später die Aufgabe, den Auszubildenden praktische Tipps für den Berufsalltag zu geben, das theoretische Wissen aus der Schule mit Praxisbeispielen zu untersetzen und die Azubis für die Prüfungen fit zu machen.

In ihrem Team fühlt sich Nadine pudelwohl. „Mir gefällt die Arbeitsatmosphäre hier.“, sagt sie. „Wir arbeiten alle auf Augenhöhe zusammen – fast schon familiär. Und wenn ich mal ein Problem habe, dann finde ich bei der Heimleitung immer ein offenes Ohr. Ich fühle mich ernst genommen und wertgeschätzt. Das braucht man, um gut arbeiten zu können!“, weiß Nadine.

Als sie sich gegenüber ihren Arbeitskollegen das erste Mal vorstellte, überzeugte sie alle mit ihrer direkten, ehrlichen und sympathischen Art: „Ich bin die Neue, die Ungelernte, die hier bleiben wird!“, tönte sie damals und erntete dafür viel Respekt und Bewunderung von ihren Kollegen.

Ihr Job verlangt ihr nicht nur körperlich viel ab, sondern auch geistig und emotional. „Das Familiensystem muss stimmen, sonst könnte ich diesen Job nicht so einfach machen. Da wäre es schon mit dem Schichtdienst schwierig.“, gibt Nadine zu bedenken. Aber auch für Wunschdienste oder gesonderte Arbeitszeiten gibt es im Haus Albanus ein offenes Ohr. „Ich konnte manchmal erst 6:30 Uhr mit dem Dienst beginnen, weil der Kindergarten nicht eher auf machte.“, sagt Nadine. Aber auch das Problem haben wir gemeinsam gelöst.“, ist die zweifache Mutter dankbar.
Wenn Nadine von ihrem Arbeitstag nach Hause kommt, widmet sie sich ihren Kindern. „Meine Familie ist mir enorm wichtig. Sie gibt mir Rückendeckung für meinen Job und hilft mir, meine Akkus wieder aufzuladen.“, berichtet sie und fügt hinzu, „jeder braucht mal Zeit zum Entspannen und Auftanken. Ich gehe am liebsten mit meinem Hund spazieren.“, sagt sie.

Und schon im nächsten Augenblick verschwindet Nadine auf Station 4, um Erika mit ihrem Rollstuhl auf die Dachterrasse zu fahren. „Das Wetter ist herrlich“, ruft sie im Vorbeigehen, „damit kann ich Erika eine Freude machen. Sie liebt es, wenn ich ihr draußen aus der Zeitung vorlese.“

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