LVZ-Interview mit Landrat zur aktuellen Lage

22.01.21

Landrat Kai Emanuel hat der Nordsachsen-Redaktion der Leipziger Volkszeitung (LVZ) das folgende Interview zur aktuellen Corona-Lage im Landkreis gegeben.

LVZ: Bei einer Inzidenz unter 200 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen in Sachsen und Nordsachsen wären Lockerungen möglich. Ministerpräsident Kretschmer spricht sich aber dagegen aus, Ausgangssperren und Alkoholverbot aufzuheben. Wie bewerten Sie die Situation, wie entscheiden Sie für Nordsachsen?

Kai Emanuel: Entscheidungen können nur auf Grundlage der zum gegebenen Zeitpunkt gültigen sächsischen Corona-Schutzverordnung fallen. Und dann auch nur in enger Abstimmung mit den anderen Landkreisen und kreisfreien Städten. Alleingänge machen in unseren eng verflochtenen Lebens- und Wirtschaftsräumen keinen Sinn. Außerdem haben wir in den vergangenen Wochen gesehen, wie schnell sich Zahlen ändern können. Wir müssen das Infektionsgeschehen sehr genau beobachten und dann gemeinsam zu vernünftigen Schlussfolgerungen kommen.

Was ermutigt Sie in diesen Tagen der Pandemie?

Wir haben es als Kreisverwaltung geschafft, auch sehr hohe Infektionszahlen jenseits der Inzidenz 50 zu bewältigen, indem wir die Priorität eindeutig auf die Pandemiebekämpfung gelegt und dezentrale Ermittlerteams gebildet haben. Von den 800 Büroarbeitsplätzen des Landratsamtes werden dafür rund die Hälfte genutzt. Durch dieses gesamtbehördliche Agieren können wir flexibel reagieren. Allerdings müssen dann andere Aufgaben liegen bleiben.
Ermutigend finde ich zudem, dass es uns gelungen ist, die Situation in den Pflegeheimen als Treiber des Infektionsgeschehens zu entschärfen. Wir haben den Einrichtungen große Mengen Schnelltests und FFP2-Masken zur Verfügung gestellt, außerdem waren die Impfteams bereits in mehr als 20 der 39 Einrichtungen vor Ort.

Was möchten Sie den Nordsachsen sagen, abseits aller Regeln, die inzwischen jeder kennen müsste?

Ich möchte den Nordsachsen von ganzem Herzen danken, dass sie so verantwortungsvoll miteinander umgehen und dafür sorgen, dass die Infektionszahlen trotz Weihnachten und Silvester gerade wieder sinken. Das eröffnet uns überhaupt erst die Möglichkeit, gemeinsam einen guten Weg aus dieser Krise zu finden. Im Lockdown zu leben, kann schließlich keine Dauerlösung sein. Mit dem Virus zu leben, das wird die neue Aufgabe.

aus Leipziger Volkszeitung vom 22.01.21