Zehn Gründe für das geringe Infektionsgeschehen in Nordsachsen

Informationen Stand 06.05.2020

Mit in Summe 139 Corona-Fällen, keinen Toten und aktuell noch 22 positiv Getesteten (Stand 06.05.20) ist das Infektionsgeschehen in Nordsachsen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau geblieben. Landrat Kai Emanuel und sein Krisenstabschef Jens Kabisch sehen zehn Gründe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dieser Entwicklung beigetragen haben:

                • 1. Der Landkreis Nordsachsen ist mit rund 197.000 Einwohnern auf etwa 2.000 Quadratkilometern der am dünnsten besiedelte Landkreis im Freistaat Sachsen. Statistisch kommen auf einen Quadratkilometer 98 Einwohner in einem überwiegend ländlich geprägten Raum.
                • 2. Das Landratsamt hat sich frühzeitig auf die Pandemiegefahr vorbereitet, bereits Ende Februar erste Krisenstabsstrukturen geschaffen und Anfang März vorsorglich eine Corona-Hotline geschaltet. Als das Virus am 12. März 2020 Nordsachsen erreichte und sich der erste Infektionsverdacht bestätigte, konnte der Landrat unverzüglich eine bereits vorbereitete Allgemeinverfügung erlassen, in deren Folge keine Veranstaltungen mehr stattfanden und Kontaktmöglichkeiten drastisch reduziert wurden.
                • 3. Alle pandemiebekämpfenden Schritte seitens des Landratsamtes wurden offen und nachvollziehbar kommuniziert. Für alle Schritte galt: kein Aktionismus, sondern wohlüberlegtes, aber schnelles und entschlossenes Handeln.
                • 4. Die Bevölkerung des Landkreises hat die Pandemie-Bekämpfung mitgetragen und durch ihr solidarisches Verhalten vorbildlich unterstützt.
                • 5. Ein Corona-Hotspot wie in anderen Regionen hat sich in Nordsachsen nicht gebildet. Wintersport-Reiseverkehr wie beispielsweise von Bayern nach Österreich und Italien oder Karnevalsveranstaltungen wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen hat es in Nordsachsen nur in deutlich geringerem Umfang gegeben.
                • 6. Alle Reiserückkehrer waren aufgefordert, sich umgehend telefonisch bei der Corona-Hotline des Gesundheitsamtes zu melden, um Quarantänemaßnahmen bzw. Testungen rasch veranlassen zu können.
                • 7. Das Gesundheitsamt hat Infektionsketten von Beginn an akribisch untersucht und bei der Ermittlung von Kontaktpersonen ein straffes und schnelles Organisationsregime verfolgt. Das Infektionsgeschehen konnte stets klar eingegrenzt und kontrolliert werden, Infektionsketten wurden offenbar erfolgreich unterbrochen.
                • 8. In Torgau, Delitzsch und Oschatz entstanden drei zentrale Teststellen, wo jeder Einwohner anlassbezogen und bei entsprechender Symptomatik getestet wird, insbesondere auch Risikopatienten. Mit Massentestungen direkt in Einrichtungen wie beispielsweise einer Kita in Schweta (115 Personen) konnte der dringende Verdacht auf einen möglichen Infektionsherd rasch ausgeräumt werden.
                • 9. Die Krankenhäuser waren auf die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten gut vorbereitet. Zwei betagte Nordsachsen hatten einen klinisch schweren Verlauf und mussten zwischenzeitlich beatmet werden, sind aber wieder auf dem Weg der Besserung.
                • 10. Zu einer erfolgreichen Pandemiebekämpfung gehört immer auch das nötige Quäntchen Glück des Tüchtigen. Eine „göttliche Dimension“ hat das geringe Infektionsgeschehen in Nordsachsen jedenfalls nicht - die Infektionszahlen in den angrenzenden Landkreisen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind ähnlich niedrig.