Beim diesjährigen Tag der Artenvielfalt im Naturschutzgebiet (NSG) Werbeliner See können Interessierte mit sechs Experten auf Entdeckertouren gehen. Die Spezialisten für Fledermäuse, nachtaktive Insekten, Käfer, Wildbienen sowie Goldwespen und Pflanzen leiten die Freiwilligen bei der Tier- und Pflanzenbestimmung an. Ziel ist es, das Entdeckte wissenschaftlich zu kartieren und neue Arten aufzuspüren.
Die ersten Entdeckungsreisen starten am 3. Juli um 20 Uhr. Bis 1 Uhr werden mit Colette Henrichmann vom NABU Fledermäuse gefangen und bestimmt. Zeitgleich baut Andreas Raffelt eine Lichtfalle für Insekten auf. Weiter geht es am 5. Juli von 9 bis 15 Uhr mit Maximilian Olbrich, der die Käfer des Gebiets untersucht. Ob mit Kescher, Becherlupe oder Mikroskop: Hier werden leicht und schwer bestimmbare Arten gefangen und der Artenliste des Naturschutzgebiets hinzugefügt.
Ewald Jansen wird sich den Wildbienen widmen. Hier sind viele Arten noch nicht erfasst. Tom Kwast erkundet schon länger die Goldwespen – eine kleine und äußerst schöne Gruppe von Insekten, die oft an trockenen naturnahen Standorten vorkommt. Volker Dittmann von der Unteren Naturschutzbehörde Nordsachsen erkundet schließlich die Flora des Gebietes. Er ist Pflanzenspezialist und hat schon einige Erstnachweise für das Naturschutzgebiet Werbeliner See erbracht.
Die Entdeckertouren beinhalten eine Einführung sowie eine gemeinsame Auswertung der Ergebnisse inklusive Vorstellung der besonderen Funde. Anmeldungen für beide Termine werden per E-Mail an info@nsgwerbelinersee.de oder telefonisch unter 0151 56552187 entgegengenommen. Der Treffpunkt wird nach der Anmeldung bekannt gegeben.
Bisher wurden am Werbeliner See 998 verschiedene Tiere und Pflanzen nachgewiesen, darunter viele seltene und gefährdete Arten. „Doch das ist längst nicht alles, einige Artengruppen sind noch nicht vollständig erfasst“, erklärt Alexander Thomas vom NSG-Team. Gemeinsam mit Heike Franke und Franz Jäger macht er die Einzigartigkeit des Naturschutzgebietes erlebbar.
Der Aktionstag ist Bestandteil des Naturschutzprojektes „Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in der Bergbaufolgelandschaft zur Förderung der biologischen Vielfalt“ am Werbeliner See. Es wird vom Bund bis 2026 mit 600.000 Euro gefördert und von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen umgesetzt.
Das ehemalige Tagebaugebiet mit dem heutigen Werbeliner See ist 1.506 Hektar groß, bereits seit 2006 als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen und steht seit Mai 2019 unter Naturschutz. Etwa 800 Hektar davon misst das Totalreservat, in welchem sich die Natur ohne menschliche Eingriffe ungestört entwickeln kann. Alle natürlichen Veränderungsprozesse werden zugelassen. Dazu gehören Abtragungen durch Erosion oder auch die Ausbreitung nicht einheimischer Arten. Wissenschaftliche Untersuchungen begleiten den Entwicklungsverlauf hin zu einem intakten und anpassungsfähigen Ökosystem.