Die Stadt Torgau ist ein Denkmal lutherischen Reformgeistes: Hier, im geistigen Zentrum der deutschen Reformation, ist Schloss Hartenfels der bedeutendste Baustein im Stadtensemble. Dieses überragende Meisterwerk befindet sich in einer der schönsten Renaissancestädte Deutschlands. Hier legten die »Torgauer Artikel« die Grundlage für das Augsburger Bekenntnis, wurde das erste protestantische Gesangbuch herausgegeben und schlossen die protestantischen Herrscher den »Torgauer Fürstenbund«. Luthers Frau Katharina von Bora starb hier in Torgau und liegt in der Marienkirche begraben.

Der »Torgauer Museumspfad« führt die Besucher hinauf zum Schloss Hartenfels und in die Schlosskirche. Die Kirche ist der erste protestantische Kirchenneubau Europas, entworfen nach Ideen Luthers und von ihm persönlich geweiht.

Der Schlosshof ist heute der zentrale Ort für kulturelle Veranstaltungen in Torgau, dominiert vom Großen Wendelstein: Die »unmögliche Treppe« des großen Baumeisters Konrad Krebs trägt sich ohne jeden stützenden Mittelpfeiler. In früheren Zeiten galt Hartenfels als »modernes Wohnschloss«, wovon der innovative Getränkeaufzug im Flaschenturm zeugte, der leise klirrend den tafelnden Adel mit Nachschub versorgte.

Auch die jüngere Vergangenheit Torgaus ist im Schloss vertreten: Das DIZ Torgau / Stiftung Sächsische Gedenkstätten zeigt im Flügel B die ständige Ausstellung »Spuren des Unrechts« zur Geschichte Torgaus als Haftort im 20. Jahrhundert. Mit Fotos, Dokumenten, Biografien und Video-Interviews beleuchtet die Ausstellung Torgaus Rolle als Zentrale des Wehrmachtstrafsystems im Nationalsozialismus, die Geschichte der Sowjetischen Speziallager Nr. 8 und Nr. 10 und den Strafvollzug der DDR in Torgau.

Im Nordwesten wird die Schlossanlage durch den Renaissance-Rosengarten begrenzt. Die steile Terrassenanlage befindet sich auf dem Gelände des mittelalterlichen Turniergrabens. Typische Elemente eines Renaissance-Gartens wie geschnittenen Bäumen, Buchshecken, Pavillons und Wassberbecken ergänzen die jahreszeitlich wechselnden Blüten von Lavendel, Rosen und Tulpen. In Verbindung mit dem Schlossgarten ist der Rosengarten ein beliebter Rückzugsraum für Besucher und Bürger der Stadt.