Mit Unterstützung der Polizei hat das Landratsamt Nordsachsen heute (01.07.) sechs Tiger aus einem provisorischen Gehege in Dölzig an ein Team der Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben. Mit Bescheid vom 1. April 2026 hatte das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt die Besitzerin von insgesamt acht Tigern aufgefordert, die Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass sie den Platzvorgaben für Tierart und Gruppengröße gemäß Säugetiergutachten entsprechen. Weil sie diese Vorgabe bis zum 30. Juni nicht umgesetzt hat und die Anlage weiterhin nur einen angemessenen Platz für zwei Tiger bietet, wurden aus Gründen des Tierschutzes nun sechs der acht Tiere fortgenommen.
Um eine Gefährdung der Bevölkerung während der Aktion auszuschließen, sicherten rund 25 Einsatzkräfte vom Polizeirevier Leipzig-Nord das Gelände weiträumig ab. Im Inneren des eingezäunten Areals wurden die Tiger zunächst sediert, anhand implantierter Chips zweifelsfrei identifiziert und von mehreren Tierärzten untersucht. Nachdem unter anderem ihre Transportfähigkeit geklärt war, kamen die Raubkatzen in spezielle Boxen, die AAP-Mitarbeiter zu den Zirkuswagen gebracht hatten, in denen sich die Tiere zu diesem Zeitpunkt befanden. Auf zwei Spezialfahrzeugen, die für europaweite Tiertransporte zugelassen sind, werden die Tiger nun nach Spanien in die Auffangstation von AAP gebracht. Die Fahrt wird von einem Tierarzt begleitet.
Im Zuge der sogenannten Fortnahme wurde die Halterin über die Rechtslage und den daraus resultierenden Vollzug der behördlichen Auflagen informiert. Seit 2024 war sie wiederholt durch das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt Nordsachsen angewiesen worden, die Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass sie den Platzvorgaben für Tierart und Gruppengröße gemäß Säugetiergutachten entsprechen. Die komplexe Rechtslage, die gleichzeitig Aspekte des Tierwohls, des Artenschutzes und des Eigentums berührt, machte die Durchsetzung der Forderungen jedoch zu einem langwierigen Prozess. Zuletzt war sogar ein Tiger aus der Anlage ausgebrochen und musste von der Polizei erschossen werden.

Luftbild des AAP-Auffangzentrums im spanischen Villena, wohin die Dölziger Tiger gebracht werden. Foto: AAP Animal Advocacy and Protection